Die Menopause
Ein Wechsel-Bad der Gefühle und Symptome
Chinesische Gelehrte beobachteten seit jeher die Phänomene der Natur - seien es die Jahreszeiten, die Gestirne oder die Symptome eines Menschen - mit großer Genauigkeit. Sie waren überzeugt, dass dieselben Gesetzmäßigkeiten, die den Makrokosmos der Natur bestimmen, auch für den Menschen als Mikrokosmos gelten.
Ein wichtiger Teil ihrer Betrachtung war die Zeitachse. Bereits die kleinsten Veränderungen wurden registriert, um präventive Massnahmen einzuleiten.
Dies ist ein wesentlicher Unterschied zur westlichen Vorgangsweise, die erst auf nachweisbare Befunde wartet, welche sich oft lange nach den ersten Signalen zeigen können. Die Menopause ist ein gutes Beispiel dafür.
Medizinisch gesehen können zwischen Prämenopause (die Eierstöcke arbeiten nicht mehr voll) über Perimenopause (die ersten klimakterischen Symptome werden spürbar, die Blutungen unregelmässig) bis hin zur Menopause (Zyklus stellt sich ein) 8 - 10 Jahre vergehen.
Wie oft habe ich in meiner Praxis Frauen mittleren Alters erlebt, die davon sprachen, dass sie sich nicht mehr „wie sie selbst“ fühlen, sich so nicht gerne sehen wollen. Gereizter gegenüber ihren Kindern, keine Lust auf Sex (was den Ehemann nicht freut), allgemeine Rückzugstendenzen, nicht mehr so belastbar wie früher…, um nur einige Symptome aufzuzählen.
Da ihr Menstruationszyklus noch relativ regelmässig, die Laborwerte der Hormone noch unauffällig waren, wurde ihnen jedoch gesagt, dass sie noch weit entfernt von der Menopause seien.
Nicht so für die Chinesische Medizin, die dies bereits als Anzeichen verminderter Hormonproduktion (Prämenopause) wahrnimmt und diesen Gap von 8-10 Jahren dazu nützt, die zu erwartenden klimakterischen Symptome möglichst zu vermeiden und den Alterungsprozess zu verlangsamen.
Die schleichende Verminderung der Hormone ist Teil des natürlichen Lebenszyklus, so auch die Menopause. Sie ist gleichsam das Spiegelbild zur Pubertät, beide sind keine Krankheiten, jedoch können die Symptome, die in beiden Fällen auftreten, als lästig bis schwer erträglich empfunden werden.
Welche Gegenmaßnahmen wurden empfohlen? (Hormone gab es ja noch nicht)
- Auf den Lebensstil (Yang Sheng) achten
- Auf die Ernährung achten
- Akupunktur und Heilpflanzen anwenden - an ausgebildete Ärzte wenden
Yang Sheng 养生 - der Lebensstil
Dies ist für die meisten Frauen die am schwersten umsetzbare Maßnahme (ich nehme mich da nicht aus), denn sie bedeutet, sich zunächst einzugestehen, dass die Energien weniger werden (Yin- und Yang-Energien werden schwächer), keine Reproduktion mehr möglich ist und - so wie es mir erging - zu begreifen, dass die Zeit, die vor einem liegt, kürzer ist als die bereits erlebte. Da ist ziemlich viel an Verlust zu verarbeiten.
Der Rat der alten chinesischen Weisen, diese Phase des Lebens zu akzeptieren und nicht dagegen anzukämpfen, sich auf den neuen Lebensabschnitt zu freuen, ihn nicht als Verlust, sondern als Bereicherung zu empfinden, ist definitiv leichter gesagt als gelebt.
Um in Balance zu bleiben, sollte die Frau nicht „in den Kampf dagegen“ ziehen, auf genügend Schlaf achten, sich nicht überarbeiten und möglichst regelmäßig meditative Praktiken wie zum Beispiel Qigong ausüben, um die Nieren-Energie zu stärken. (siehe hierzu auch die Artikel zu Yang Sheng und Entspannung/Qigong auf meiner Blogseite)
Ernährung
Frauen aus dem asiatischen Raum haben auch in höherem Alter kaum Falten im Gesicht. Grund dafür ist die deutlich andere Ernährung, wenig Zucker, kaum Alkohol und viele Sojaprodukte, die das Hormonsystem unterstützen.
Die Nahrung bildet die Basis unserer Energie, somit verringert sie den Verlust der Yang- und Yin-Energie ganz allgemein.
Die Meridiane der Organe, die mit Ernährung zu tun haben - Magen, Dünndarm, Dickdarm - zeigen sich alle im Gesicht. Falten an der Stirn, um Mund und Nase, zeigen an, dass die Haut nicht ausreichend ernährt wird.
Von wissenschaftlichen Studien wissen wir, dass Östrogen und Progesteron mit den Darmmikroben in ständiger Kommunikation stehen. Abnehmende Hormonspiegel verändern deren Zusammensetzung und dieses Ungleichgewicht (Dysbiose) ist mit verantwortlich für Gewichtszunahme, Stoffwechselstörungen (metabolischem Syndrom), Entzündugsprozessen und kognitivem Verfall.
Dem derzeitigen Wissensstand zufolge scheinen vor allem unterschiedliche Lactobacillen eine unterstützende Rolle bei der verzögerten Alterung der Eierstöcke zu spielen, indem sie an der Wiederverwertung des Östrogens mitarbeiten.
Probiotika und fermentierte Produkte wie Joghurt, Kimchi, Miso und Sauerkraut unterstützen diese Lactobacillen und wirken sich als Anti-Aging-Intervention günstig aus.
Akupressur und Heilpflanzen
Wer sich keine Nadeln stechen lassen möchte, kann sich mit Akupressur selbst unterstützen. Zum Beispiel für die Punkte Leber, Niere, Hormone und Psyche am Ohr.

Die Akupunkturpunkte jeweils ein - zwei - drei Daumenbreiten unterhalb des Nabels auf der Mittellinie.

Heilpflanzen
Gut untersucht sind zum Beispiel:
- Sibirischer Rhabarber (Rheum rhapontikum) - mit seiner östrogenartigen Wirkung
- Traubensilberkerze (Cimicifuga) - lindert schwitzen und innere Hitzegefühle
- Yamswurzel - progesteronartige Wirkung
- Mönchspfeffer (Agnus castus) - reguliert das Gleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron
Das Gespräch zum Nachhören
Dieser Beitrag greift die wichtigsten Themen meines Gesprächs mit Birgit Fenderl in ihrem Podcast "Von wegen Pause" auf und vertieft sie mit zusätzlichen Hintergründen zur Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und ihrer ganzheitlichen Begleitung in den Wechseljahren.
Wenn Sie das Gespräch in voller Länge anhören möchten, finden Sie die Podcast Folge hier:
Podcast "Von wegen Pause" - Folge 31: Evemarie Wolkenstein - „Der Darm ist immer betroffen.“
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Zuhören und hoffe, dass Ihnen sowohl dieser Beitrag als auch das Podcast-Gespräch wertvolle Impulse für einen bewussten und individuellen Umgang mit der Menopause und den Wechseljahren geben.

